Verwicklung in
Entwicklung verwandeln

23. November 2021

Das Maß oder gar das Maß aller Dinge…

Bei der gewichtigen Überschrift möchte ich mich dem Thema lieber à la Lehrer Bömmel in der „Feuerzangenbowle“ nähern mit „Da stelle ma uns mal janz dumm…“ und fangen klein an bei den Worten, die sich finden lassen: jemand ist anmaßend, es gibt ein Übermaß, oder etwas ist in seinem Ausmaß nicht zu erfassen oder ist unermesslich bis hin zu maßlos. Da geht’s wohl um das Zuviel. Dann Worte, wo das Maß getroffen scheint: etwas ist angemessen, maßvoll oder maßgeblich, verhältnismäßig, jemand kann Maßhalten, es gibt regelmäßig stattfindendes und ebenmäßige Gesichtszüge . Dann Worte, wo es ums zurück zum Maß geht: ums maßregeln, sich mäßigen, gemäßigter sein. Manchmal geht’s um Maß finden: dann nimmt man Maß, um ermessen zu können, was nötig ist und Maßnahmen ergreifen kann, die zu einem angemessenen Zustand führen. Unter das Maß geht es, wenn es um Ermäßigungen geht.

Diese Wortindizien legen nahe, dass es gar nicht so leicht ist das Maß zu finden, zu treffen und zu halten. Flugs kanns auch in alle Richtungen verrutschen. Man könnte auf die Idee kommen, dass das Mittelmaß oder die Mittelmäßigkeit perfekt wären. Diese stehen hierzulande allerdings nicht in gutem Ruf.

Vielleicht geht’s ja so: Wir pendeln über die Mitte. Wir können Höchstleistungen vollbringen z. B. einen Marathon laufen. Wir können aber nicht täglich Marathon laufen. Irgendwann braucht es den anderen Pol. Letztlich las ich, die Tour de France wird von dem gewonnen, der sich am besten regenerieren kann. Wir sind in einer Bewegung innerhalb von Polaritäten aufgespannt. Wieweit jeder Mensch sein Pendel ausschlagen lassen möchte oder muss ist unterschiedlich. Wenn es in einem angemessenen Maß schwingt, kreiert es damit einen Raum des mittleren Maßes. Den könnte man auch als einen Raum gesunder Vitalität bezeichnen. Mmmh das mal so als Angebot zur Ehrenrettung des Mittelmaßes.

Das „rechte“ Maß innerhalb einer Pendelbewegung für sich zu finden wird auch von unserer Umgebung mit Ihren Maßstäben beeinflusst und regt zu Auseinandersetzungen an. Letztlich begegnete mir in einer Zeitschrift dazu die Unterscheidung: Fremdmaß und Eigenmaß

Aus dem eigenen Fundus dazu und vielleicht fällt Ihnen aus Ihrem auch etwas dazu ein:  „Machst Du Sport, sprich, gehst Du in die Muckibude.“ „Nöö.“ Von Kopfschütteln bis zu Maßregelungen, so geht das aber nicht, in Deinem Alter… Irgendwann nisten sich die Stimmen von außen doch ein und es entsteht eine innere Zwiesprache, etwas bockig, das muss doch reichen, ich arbeite im Garten, laufe die Treppen rauf und runter, gehe spazieren, tanze gerne, fühle mich gut …. vielleicht reicht das doch nicht, der Schein trügt, Ausdauertraining ist nicht dabei….. Endlich bekomme ich Unterstützung. Ein Aufsatz in einer Gartenzeitschrift gibt zum Besten, dass die Gartenarbeit wirklich alles trainiert. Puhhh nochmal Glück gehabt. So ganz alleine nur mir glauben und mein Eigenmaß als mein Maß zu nehmen, das mir gemäß ist, ist mir dann doch nicht sogleich gelungen.

So wie es mitunter ein Ringen ist, das eigene Maß zu finden, so ist es auch im großen Maßstab. Es sind viele Wege gegangen worden Maße zu finden. Einer ist, wie es Daniel Kehlmann in seinem Buchtitel zum Ausdruck bringt: Die Vermessung der Welt.  

Ein anderer Weg ist die Aufstellung von Geboten, wie sie die Bibel formuliert hat. Sie geben uns Maßgaben fürs angemessene Miteinander an die Hand. In unserer Zeit sind nach dem unermesslichen Leid und maßlosem Grauen der Weltkriege die Menschenrechte als not-wendiger Maßstab für die gesamte Erde formuliert worden. In den letzten Jahren sind die Umweltrechte hinzugenommen worden. Diese greifen zudem auf, dass es einen gleichsam existentiellen Maßstab, der bereits vorliegt, gibt. Unsere Lebensbedingungen sind der Rahmen, in den wir eingebettet sind und dessen Teil wir sind.

Wenn demnächst jemand davon spricht, dieser oder jener ist ein sehr naturverbundener Mensch, können Sie nach Art von Max Frisch zurückfragen: Sie nicht? Wenn nicht, wie erklären sie sich das?

Na und wenn nicht unser Lebensmaß, unsere Lebensspanne der unmittelbare Beleg für unsere Naturverbundenheit und –gebundenheit ist!? Unsere vielleicht größte Herausforderung, dieses Maß anzuerkennen.

Einer, dem es ein wesentliches Anliegen war, einen übergeordneten ethischen Maßstab für die Ausrichtung unseres Lebens zu finden, ist Albert Schweitzer. Seine gefundene Maßgabe:

Ich bin Leben das leben will, inmitten von Leben das leben will.

Sein praktisches Erprobungsfeld für seine Ethik hat er in seinem Krankenhaus in Lambarene gesehen. Für ihn ist mit dieser Maßgabe ein Ringen verbunden. Wir können nicht schuldlos leben. Wenn wir spazieren gehen töten wir Lebewesen. Wir können und müssen abwägen und entscheiden und zwar so, dass wir der Maßgabe näher kommen.

Zugleich sind wir mit einem Maß an Freiheit ausgestattet, uns von Maßgaben zu entfernen.

Zum guten Schluss noch ein Maßgabensammelsurium zum weiter ausspinnen: das Augenmaß kollidiert manchmal mit dem Schrittmaß, weil wir so schön weit gucken können, dann aber Schritt für Schritt gehen müssen. Das Versmaß, das viele poetische Blüten hervorbringen kann. Unsere Gliedmaßen bestimmen unsere Bewegungsmöglichkeiten. Rechtmäßiges und Zeitgemäßes gibt’s ebenso in umfassend vielfältigen und sich immer wieder ändernden Maßen. Und dann gibt’s auch noch das Maßliebchen und den Maßanzug!

Um das Maß vollzumachen ganz handfestes zum Thema: „Das Maß“ … Jawoll auf der Wiesn!!!!! ….Obwohl, auch dies ist einmal bei 1,069 l gestartet und mittlerweile bei einem Liter gelandet. Nach wie vielen Maßen man das Maß –noch- halten kann, ist ein anderes Thema. Nun erstmal „Wohlsein“ allerseits!

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