Verwicklung in
Entwicklung verwandeln

28. September 2021

Rücken haben oder Rückgrat…

Wir Menschen haben einen Rücken, gehört zur Grundausstattung. Viele Tiere haben einen, Bücher und Hände und manche Berge. Dann gibt’s Menschen die „haben Rücken“. Die spüren Ihren Rücken - unliebsam. Blöd, dass man ihn am besten leidvoll wahrnehmen kann. Und wenn nix ist, ist alles in Ordnung. Eine pfiffige Hypnotherapeutin hat ein sehr hilfreiches Seminar angeboten: Wie fühlt sich wohl Gesundheit an! Da geht’s darum, das gesammelte kunterbunte Nix zu erforschen, damit man da wieder hinkommen kann.

Und dann schwirrte der Rücken sprachlich in die Welt hinaus, in die Welt des Geldes, der Versicherungen, der Fahrgestelle, des Sports und weitere zivilisatorische Bereiche: Rückstände, Rücklagen, Rücklastschriften, Rückforderungen, Rückstellungen, Rückversicherungen und jede Menge Rücklichter, Rückspiegel und Rückwärtsgänge finden sich; des weiteren die Rückhand, Rückpässe, Rückkopplungen aller Art, Rücksendungen und vieles mehr. Wie konnte das passieren?

Eine Fährte mag sein, dass unser Rücken einen guten Orientierungs-, Ausgangspunkt für unsere Bewegungen in der Zeit und im Raum bietet. Na und da wir Menschen, die Spezies des aufrechten Ganges sind, ist das ausschwirren in die Welt sehr von unserer Perspektive geprägt. Denn, wenn ein Hund rückwärts geht, geht er schwanzwärts. Wenn er in echt rückwärts geht, hebt er ab – passiert eher selten.

Wir finden den Rücken weiter beim Holz oder sogar Tische rücken, hoffentlich ohne Rücken zu kriegen. Wir können Möbel verrücken, ohne selbst verrückt zu werden. Die Möbel sind zurechtgerückt und der Kopf gleich mit!? Ebenso kann man Möbel abrücken oder vorrücken, wie es auch Armeen können. Bei Meinungen geht das mit dem Abrücken auch.

Da kann es sogar zu Rücktritten kommen und dann gibt’s Nachrücker, vielleicht sogar Rückkehrer. Zurücktreten, so in echt, kann man auch vorwärts, mit Schwung von hinten. Einen Schritt zurücktreten, um etwas besser überblicken zu können, geht auch. Ich gehe rückwärts oder zurück, bin vielleicht sogar rückwärtsgewandt. Rückgänge sind zu verzeichnen, Rückfälle auch, dabei sind viele Aspekte zu berücksichtigen und Rücksprache zu halten. Manch einer findet das rückständig und begibt sich auf den Rückzug. Die Gefahr dabei rücklings zu Fall zu kommen, sollte erwähnt werden.

Dann natürlich kann ein schöner Rücken entzücken. Wenn etwas hinter meinem Rücken passiert, muss es nicht durchgängig entzückend sein. Wiederum kann ein rückenfreies Kleid ganz berückend sein und mir die Schauer den Rücken rauf und runter laufen lassen.

Manch einer wagt einen Lebensrückblick und kann rückwirkend erleben, dass er auf viel gelungenes Leben zurückblicken kann.
Wie Sören Kierkegaard formuliert:

Verstehen kann man das Leben nur rückwärts – Leben muss man vorwärts.

Noch eine Fährte, ein möglicher Blick auf unseren Rücken. Erinnern Sie sich noch an den herausragenden Sprinter Usain Bolt, der noch mit offenen Schnürsenkeln, Rekorde locker eingefahren hat? Mitunter verführen uns solche Bilder, sie als Erfolgskonzepte auf unser Leben zu übertragen. Ich setz mir ein Ziel und gehe schnurstracks drauf zu. Man denke nur an so unselige Bewerbungsfragen wie: Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?

Wenn Sie an die Bewältigung Ihrer alltäglichen Aufgaben denken, Ihre Wohnung aufräumen, die Einkäufe tätigen, mit Ihren Kindern sein, berufliche Aufgaben erledigen. Wann können Sie da mal 100 Meter am Stück geradeausgehen oder Ihre Ziele ohne Störung verfolgen. (Usain Bolt kann das übrigens auch nicht, der braucht auch viele Helfer, die die Bahn frei halten und und … und zudem tausende von Läufen, bis es dann einmal so richtig richtig klappt.)

Damit unser Tun gelingt, ist surfen angesagt: um parkende Autos rumgehen oder Menschen, die grad Nase abwärts auf dem Bürgersteig virtuell surfen, geschmeidig umschiffen, warten bis die Straße zum weiter gehen frei ist…vielseitige Bewegungen sind das Mittel, um zum Ziel zu gelangen.

Hier kommt unser Rücken ins Spiel. Das wunderbare Konstrukt unserer Wirbelsäule. Sie ist Säule und zugleich in alle Richtungen beweglich – im Prinzip, praktisch gibt’s unzählige Variationen! Wir können zum Boden greifen, um etwas aufzuheben, Unkraut jäten, Böden putzen, Kabel verlegen…., uns nach oben recken, um die süßesten Früchte aus dem Baum zu klauben oder die Fenster bis zum letzten Eck wieder glänzen zu lassen oder am Bahnhof weit erkennbar winken und alle möglichen weiteren Bewegungsrichtungen nutzen. Und so bietet uns unser Rücken für unser erfolgreiches Tun die Qualität von Stabilität und Bewegungen in alle Richtungen zu gleicher Zeit.

Die Wörter spiegeln dies. Jemand hat Rückgrat. Dann gibt es den Rückhalt, den wir geben oder erhalten können. Für starke Gemüter geht’s sogar rückhaltlos. Ein Rückschritt kann super sinnvoll sein, wenn er uns Fahrt aufnehmen läßt, um nach vorne zu kommen, man denke an Speerwerferinnen, Fußballerinnen…. dann sind wir in einer flexiblen Bewegung. Anatomisch ist es möglich den Rundumblick zu haben. Je nach Mensch und Tagesform variiert der allerdings erheblich. Es gibt Tage, da klappt das mit dem rücksichtsvoll sein so la la und dann wieder ganz prima….Sachdienlicher Hinweis meiner Mutter: Lauschen Sie einmal dem Lied von Mary Roos „Rücksicht“. Sie rollt das Feld der Sichten auf.

Wir alle sind ja durch Wind und Wetter geformt, sind im Leben ganz speziell gefordert, tragen unseren Lebensrucksack, so dass wir alle gerade und krumm, an ganz unterschiedlichen Stellen beweglich oder eben auch nicht sind, Vorlieben haben und unseren ganz eigenartigen Weg durchs Leben zu gehen finden und immer wieder finden.

Der Rücken repräsentiert auf einer sehr konkreten physischen Ebene
stabile Flexibilität und flexible Stabilität.

Na und da wir unseren Rücken ja stets dabei haben, haben wir mit diesem unmöglich möglichen Rückenparadox zugleich was für unsere Lebenshausapotheke dabei.

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